Wie werden Tattoo Linien gestochen?
Ein Leitfaden für präzise Linienarbeit
Das Tätowieren von Linien ist eine der wichtigsten Grundfertigkeiten für jeden Tätowierer. Saubere, gleichmäßige Linien sorgen für klare Konturen und eine hohe Qualität des Tattoos. Doch um perfekte Linien zu stechen, sind verschiedene Faktoren entscheidend: von der Wahl der richtigen Nadeln über die Stichtiefe bis hin zur optimalen Einstellung der Tätowiermaschine. Dieser Leitfaden erklärt Schritt für Schritt, worauf es bei der Linienführung ankommt.
Die Haut richtig straffen
Ein entscheidender Faktor für saubere Tattoo-Linien ist die Hautspannung. Eine ungespannte Haut kann dazu führen, dass die Nadel nicht gleichmäßig in die Haut eindringt, was zu unruhigen oder unsauberen Linien führt.
- Die Haut sollte mit der freien Hand gestrafft werden.
- Besonders an Körperstellen mit wenig Spannung (z. B. Bauch oder Oberarm) ist es wichtig, die Haut festzuhalten.
- Eine gespannte Haut ermöglicht eine gleichmäßige Farbaufnahme und verhindert ein "Wackeln" der Nadel.
Die richtige Stichtiefe
Die optimale Stichtiefe ist entscheidend für das Einbringen der Farbe. Ist die Nadel zu flach eingestellt, bleibt die Farbe nicht in der Haut, sticht man zu tief, kann es zu Vernarbungen oder Blowouts (Farbverlauf unter der Haut) kommen.
- Ideale Tiefe: In der Regel befindet sich die mittlere Hautschicht 2mm unter der oberen Hautschicht. Unterschiedliche Körperregionen und Hauttypen können auch eine dickere obere Hautschicht aufweisen. Deshalb ist es wichtig, ein Gefühl für die richtige Stichtiefe zu entwickeln.
- Erkennung der richtigen Tiefe: Ein leichtes Bluten ist normal, starke Blutungen sind ein Zeichen dafür, dass die Tiefe korrigiert werden muss.
- Blowouts vermeiden: Zu tief zu tätowieren kann einen unschönen Blowout und Vernarbungen zur Folge haben. Die Nadel sollte daher nicht in die unterste Hautschicht gelangen.
Einstellungen an der Tattoomaschine
Die richtigen Maschineneinstellungen beeinflussen das Endergebnis erheblich. Die Einstellungen variieren je nach Maschinenart (Spulen- oder Rotary-Maschine), aber einige Grundregeln gelten für alle:
- Das Ergebnis einer satten Linie ist die korrekte Anwendung der Hand/Maschinengeschwindigkeit. Das bedeutet das die Handgeschwindigkeit mit der Maschine im Einklang ist. Als Richtmaß kann man sagen das 130 Stiche in der Sekunde eine gute Linie zu Tage bringt.
- Die Voltzahl entspricht demnach (grobes Richtmaß) 7-9V je nach Maschine und eigener Arbeitsgeschwindigkeit.
- Der Hub einer Maschine kann die Einarbeitung von Linien maßgeblich beeinflußen. Für feine Linien wählt man i.d.R. eine Maschine mit einem kleineren Hub wie z.B. 3mm oder 3.5mm, für dickere Linien nutzt man i.d.R. einen 4mm Hub und für ganz fette Lines sogar 4.5-5mm (z.B. für eine 21RL).
Die Maschine richtig halten
Der richtige Griff sorgt für eine ruhige Hand und präzise Linienführung.
- Stabiler Griff: Die Maschine sollte sicher und nicht zu locker in der Hand liegen.
- Ellbogen aufstützen: Falls möglich, den Ellbogen abstützen, um eine gleichmäßige Bewegung zu ermöglichen.
- Bewegung aus dem Unterarm: Die Linien sollten aus der Armbewegung gezogen werden, nicht aus den Fingern.
- Konstante Geschwindigkeit: Langsame, gleichmäßige Bewegungen verhindern Unterbrechungen in der Linie.
Der richtige Hub der Maschine
Der Hub beschreibt den Weg, den die Nadel beim Eintauchen zurücklegt.
- Feine Linien: optimal ist ein 3-3.5mm Hub
- Dickere Linien: hier ist ein Hub von 4mm ideal
- Ganz dicke Linien: Hub auf 4.5-5mm einstellen
- sehr sanfte Schattierungen: hier eignen sich Hübe von 2.5-3-5mm
- normale Schattierungen und Colorpacking: funktioniert bei den meisten Artists mit einem 4mm Hub
- großflächiges Colorpacking: dafür eignen sich Hübe ab 4.5mm
- Einstellung testen: Vor dem Tätowieren immer eine Testlinie auf Kunsthaut oder Übungsmaterial machen.
Wahl der richtigen Nadeln
Die Auswahl der richtigen Tattoo-Nadel ist ein weiterer Schlüssel für perfekte Linien.
- RL (Round Liner) Standart für feine bis dickere Linien.
- RL Bold/Straight/Turbo für fette satte Linien.
- Nadelanzahl:
- Feine Linien im Tattoobereich: 3 RL 0.25 LT bis 5 RL 0.35 LT
- Standartlinien: 7 RL 0.30 LT bis 9 RL 0.35 LT
- Dicke Lines: ab 9 Bold Liner aufwärts
Wahl der richtigen Tattoofarbe
Nicht jede Tattoo-Tinte ist für Linien gleich gut geeignet.
- Hochpigmentierte schwarze Farbe: Linienfarben sollten sehr dicht und tiefschwarz sein.
- Konsistenz der Farbe
- Sollen die Linien das Motiv klar abgrenzen, empfiehlt es sich hochpigmentierte schwarze Farben unverdünnt zu nutzen.
- Beliebte Marken: World Famous Ink, Panthera Ink, Eclipse – alle haben sich bewährt.
Wie viel Druck ausüben?
Der richtige Druck sorgt für eine gleichmäßige Linie, ohne die Haut zu beschädigen.
- Druck anpassen: Je nach Hauttyp kann etwas mehr oder weniger Druck nötig sein.
- Sanfte, gleichmäßige Bewegung: Kein zu starkes Drücken, um Narbenbildung zu vermeiden.
- Hinweis: Eine Tattoomaschine mit einem erschwerten Griffstück (also einem tiefliegenden Schwerpunkt), erleichtert das durchbrechen der natürlichen Hautbarriere und somit muss weniger Druck ausgeübt werden.
Weitere Tipps für saubere Linien
- Nicht zu oft über die gleiche Linie gehen: Zu viele Durchgänge schädigen die Haut und machen die Linie unscharf.
- Geduld und Übung: Linien erfordern eine ruhige Hand – Üben auf Kunsthaut hilft, das Gefühl für die Maschine zu verbessern.
Perfekte Tattoo-Linien mit der richtigen Technik
Saubere und präzise Linien sind das A und O eines hochwertigen Tattoos. Wer auf die richtige Technik, die passenden Maschineneinstellungen, hochwertige Nadeln und Farben setzt, erzielt langlebige und gestochen scharfe Ergebnisse. Besonders wichtig ist es, die Haut zu straffen, die richtige Stichtiefe zu treffen und die Maschine mit gleichmäßiger Handführung zu bewegen. Mit etwas Übung und den richtigen Werkzeugen kann jeder Tätowierer saubere und professionelle Linien setzen.